Seht ihr den Mond dort stehen? – Er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht seh’n.Br.: Matthias Claudius
Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“, 1778/79. – Im Übergang von der Aufklärung zur Romantik schuf Matthias Claudius sensible Verse, die lange Zeit im kollektiven Gedächtnis einer Kultur bleiben. Sein „Wandsbeker Bote“ mit Beiträgen von Lessing, Herder, Klopstock und Goethe war die erste gedruckte deutsche Volkszeitung
Symbolum
(Br.: Joh.ann Wolfgang v. Goethe. Geschrieben um 1815 für die Weimarer Loge Amalia)
Des Maurers Wandeln,
Es gleicht dem Leben,
Und sein Bestreben,
Es gleicht dem Handeln
Der Menschen auf Erden.
Die Zukunft decket
Schmerzen und Glücke
Schrittweis dem Blicke;
Doch ungeschrecket
Dringen wir vorwärts
Und schwer und ferne
Hängt eine Hülle,
Mit Ehrfurcht, stille
Ruhn oben die Sterne
Und unten die Gräber.
Betracht’ sie genauer
Und siehe, so melden
Im Busen der Helden
Sich wandelnde Schauer
Und ernste Gefühle.
Doch rufen von drüben
Die Stimmen der Geister,
Die Stimmen der Meister:
Versäumt nicht zu üben,
Die Kräfte des Guten!
Hier winden sich Kronen
In ewiger Stille,
Die sollen mit Fülle
Die Tätigen lohnen!
Wir heißen euch hoffen.

Zirkel & Winkelmaß
Zirkel und Winkelmaß sind die internationalen Erkennungszeichen der Freimaurerei. In der Verbindung von Gegensätzlichem, dem ewigen Dualismus, liegt ein grundsätzliches Wirkprinzip des Universums. Transzendentes und Irdisches, Geistiges und Materielles ist gleichermaßen nötig, um am eigenen rauen Stein zu arbeiten: symbolisch die Ecken der Unvollkommenheit abzuschlagen.

Musivisches Pflaster
Das musivische Pflaster des Salomonischen Tempels bestand aus schwarzen und weißen Mosaiksteinen. Auch Natur und Menschsein bestehen aus dem steten Wechsel der Gegensatzpaare wie Licht und Finsternis, Nacht und Tag, Tod und Leben. Ehrfurcht vor den ewigen Gesetzmäßigkeiten ist eine Grundüberzeugung maurerischen Denkens.

Drei Rosen & Meisterwinkel
Die Rose ist universelles Symbol uneigennütziger Liebe. Die drei Freimaurer-Rosen verbinden Geist, Entschlusskraft und maßvolles Handeln. – Jeder Maurer ist zur Achtung vor dem Gesetz verpflichtet. Ohne Recht und Regeln kann es keine menschliche Gemeinschaft im friedlichen, konstruktiven Miteinander geben. Der Meister vom Stuhl einer Loge trägt den Winkel, das wichtigste planerische Steinmetz-Werkzeug, als Amtszeichen.

Handschuhe & Winkelwaage
Weiße Handschuhe symbolisieren die Bereitschaft des Maurers zur tatkräftigen Arbeit an der Humanität. Die Winkelwaage ist ein Symbol für die Vernunft und das Gleichgewicht aller Dinge, und insofern für das rechte Maß. Sie erinnert den Maurer daran, dem anderen Menschen stets auf gleicher Augenhöhe zu begegnen und ist das Abzeichen des 1. Aufsehers.

Schurz & Senkblei
Der Schurz als Arbeitskleidung hat wie die Handschuhe in der spirituellen Maurerei seine Herkunft aus der tätigen Arbeit der Werkmaurerei. Das Senkblei erinnert daran, die Konsequenzen des Handelns zu bedenken und die Tiefe seiner Handlungen auszuloten. Es wird vom 2. Aufseher als Abzeichen seines Amtes getragen.

Vergissmeinnicht
Das Vergissmeinnicht, Spendenausweis des Winterhilfswerks 1938, wurde von Brüdern während der Verfolgung durch das Nazi-Regime als Abzeichen getragen und gilt seither als diskretes Zeichen der Deutschen Freimaurerei. Die fünf Blütenblätter im maurerischen Blau sind von Natur aus im Pentagramm angeordnet.

Auge im Dreieck
Detail in der Evangel.-Luth. Kirche zu Denstedt
Unter dem Sinnbild des Großen Baumeisters aller Welten verehren Freimaurer ein göttliches Wirken voll Weisheit, Stärke und Schönheit, das sich im Weltenbau, in allem Lebendigen und im sittlichen Bewusstsein des Menschen manifestiert. Das allsehende Auge ist keine Freimaurer-Erfindung, es berührt als „Auge im Dreieck“ symbolhaft die spirituelle Erfahrung jedes Einzelnen und gibt Raum für die Pflege der individuellen religiösen Überzeugung.

Drei mal Drei
Weisheit, Schönheit, Stärke bilden symbolisch die drei Säulen, auf denen der virtuelle Tempelbau der Humanität ruht. Die dreimalige Anrufung des Übersinnlichen gehört zur rituellen Grundausstattung aller Spiritualität weltweit: „Du musst es 3x sagen…“ (Mephisto in Goethes Faust). „In 3 x 3“ grüßen sich Maurerinnen und Maurer auf der ganzen Welt in Erinnerung an die Tätigkeitsprinzipien ihrer Lebenseinstellung.

Rauer Stein
Br.: Adam Friedrich Oeser (1717 – 1799): „Mann, einen Stein tragend“
Der symbolische Tempel der Humanität besteht aus vielen einzelnen Bausteinen, den Menschen selbst. Jeder für sich ist als rauer Stein unvollkommen, sollte in permanenter Arbeit an sich selbst verbessert werden. Jeder bringt seinen eigenen Stein in seiner eigenen Art und Weise auf das Baugerüst des Lebens.

Gott als Architekt
(„Archi-tekt“: „erster Handwerker“)
Gott als Geometer. Codex Vindobonensis 2554, Mitte des 13. Jh.
Die Vorstellung, dass ein göttlicher Baumeister das Universum durch die vier Elemente nach geometrischen und harmonischen Prinzipien aus einem Zirkelschlag geschaffen hat, geht bis ins Mittelalter zurück. Die Steinmetz-Meister der gotischen Kathedralen strebten danach, in den Proportionen dieser Bauwerke ein Abbild des himmlischen Jerusalem zu schaffen. Der Übergang dieser Werkmaurer zu spirituellen Maurern ist der Anfang der heutigen humanitären Freimaurerei, die symbolisch am Tempel der Humanität baut.

24zölliger Maßstab
Englischer Zollstock aus der Loge Anna Amalia
Die Stunden des Tages mit Weisheit einzuteilen, ist Lebensaufgabe. Hierin bleibt der Maurer, egal in welchem Grad, lebenslang auf der Suche. Freimaurer bezeichnen diese innere Einstellung zum lebenslangen Lernen als Weg zu einem erfüllten Leben als „Königliche Kunst“.

3 Säulen
Br.: Klaus Fleischmann (1940 – 2021) – aus der Loge Anna Amalia
Weisheit, Stärke, Schönheit sind die drei Ideale, welche die Arbeit des Freimaurers leiten sollen. Nach ihnen werden die drei Säulen benannt, auf denen der symbolische Bau der Freimaurerei ruht. Sie sind Kräfte, ohne die sich Zukunft nicht gestalten lässt: Richtschnur für tätige, maßvolle Arbeit im täglichen Leben.