Bewegtes und Bewegendes

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Freiheit, Gleichheit, Mitmenschlichkeit …

Der Geist der Aufklärung verbreitete sich im Europa des 18. Jahrhunderts. Von England kommend wurde 1737 in Hamburg die erste Freimaurerloge als Heimstatt für diese Werte in einem deutschen Staat gegründet.

Nach ersten freimaurerischen Aktivitäten in Jena erfolgte am 24. Oktober 1764, dem Geburtstag ihrer Namenspatronin der Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, die Gründung der Weimarer Loge „Anna Amalia“.

 

In den Folgejahren führten gesellschaftliche und politische Ambitionen sowie persönliche Befindlichkeiten einzelner Akteure zu Richtungsstreitigkeiten in den deutschen Logen. Auch die Weimarer Loge blieb hiervon nicht verschont. Die Tätigkeiten der Loge ruhten deshalb offiziell ab 1782.

Im Jahr 1808 betraute Herzog Carl August seine Logenbrüder J.W. von Goethe und F.J. Bertuch mit der Wiederaufnahme der Logenarbeit. Am 24. Oktober 1808 wurde Bertuch von 9 der 12 anwesenden Brüder zum Meister vom Stuhl der Loge gewählt, in die 1809 auch C.M. Wieland aufgenommen wurde. Sie wurde im 19. Jahrhundert zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt der Residenzstadt.

Nach dem Tod der Herzogin Anna Amalia im Jahr 1807 wurden der Festsaal und die angrenzenden Räume im Wittumspalais zum Sitz der Loge.

WittumspalaisFestsaal im Wittumspalais zum Rosenfest

Von 1847 bis 1853 befand sich das Logenhaus im Hintergebäude des Hotels „Russischer Hof“. 1853 erfolgte der Umzug in das eigene Logenhaus auf dem Grundstück Amalienstraße 5, das die Loge von Bruder Johann Nepomuk Hummel erhalten hatte.

Amalienstraße 5Amalienstraße 5

Das Zeitalter des europäischen Nationalismus und Kolonialismus berührte das Logenleben ebenso wie die als Gegenmodelle zum Kapitalismus entwickelten Gesellschaftsmodelle des Sozialismus und Kommunismus sowie der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts. Insbesondere den kollektivistischen Heilslehren und Führerkulten hatten die Freimaurer nichts entgegen zu setzen. Hierfür gab es unterschiedliche Ursachen. Während die einen der Verpflichtung zur staatlichen und - weit überwiegend - religiösen Neutralität treu bleiben wollten, vermochten sich die anderen der in der Mehrzahl im prosperierenden Bürgertum etablierten Mitglieder dem Druck des jeweiligen „Zeitgeistes“ nicht zu entziehen. Der durch die Aufklärung und den Idealismus geprägte Ansatz, dass nur die Freiheit und Bildung des Einzelnen ein Leben in sozialer Verantwortung und in einer friedvollen Gemeinschaft ermöglichen, wurde mit der Maxime "Du bist nichts, dein Volk ist alles", dem die individuelle Persönlichkeit erstickenden "kollektiven Wir“ nachhaltig zerstört. Kaum jemand vermochte aufzustehen und sich dem immer häufiger offen zeigenden Unrecht zu wehren. Ende der 20er Jahre des vorherigen Jahrhunderts geriet so auch die Weimarer Loge zunehmend unter staatlichen und gesellschaftlichen Druck. Selbst groteske Anbiederungsversuche an die Nationalsozialisten konnten das Verbot aller Freimaurerlogen nicht verhindern. 1936 kam die öffentliche Logenarbeit auch in Weimar zum Erliegen. Das enteignete Logenhaus wurde anderen Nutzungen zugeführt, im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und später abgerissen.

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Das Logenhaus in Weimar um 1920 und nach dem Krieg 1945

Nach Kriegsende 1945 blieben nur wenige Wochen des Durchatmens. Mit dem Abzug der Amerikaner mussten in Weimar die Freimaurer ihre Arbeit erneut einstellen. Die dunkle Zeit war noch nicht vorüber. Im sich etablierenden Sozialismus war ebenfalls kein Platz für ein Leben mit dem Ideal der individuellen Freiheit in Gleichheit und Mitmenschlichkeit. Aber auch hier gab es weiterhin Menschen, in denen das Licht der Hoffnung nicht erlosch. Soweit bis heute bekannt, trafen sich die Herren der Loge in Weimar im privaten Kreise und im Russischen Hof. Die letzte Aufnahme eines Freimaurer Bruders soll 1962 in privaten Räumen erfolgt sein. Das Licht der Loge wurde vor dem Mauerbau 1961 über Berlin nach Hamburg getragen und dort bewahrt.

Wir wissen über das Logenleben in der DDR leider noch viel zu wenig. Es wäre ein dankbares Forschungs- und Betätigungsfeld für neugierige Geister. Die Loge hofft hier auch aus Kreisen von Student(inn)en und Schüler(inne)n auf Unterstützung.

Mit dem Jahr 1989/1990 erhielten die humanistischen Ideale eine neue Chance. Nach der Wiedergründung 1990 erfolgte 1992 die Lichteinbringung. Seit dem gibt es in Weimar wieder die in der Steinmetztradition stehende Johannisfreimaurerloge „Anna Amalia zu den drei Rosen“ mit ihrer historischen Matrikelnummer Nr. 50.

Die Loge fand zunächst im Wittumspalais, dann im Oberlichtsaal der Hochschule für Architektur und Bauwesen (heute Bauhaus Universität) und danach für viele Jahre im Hotel Amalienhof eine Heimat. Die Kooperation mit dem Freundeskreis des Stadtmuseums und die Unterstützung der Stadt Weimar ermöglichten es, dass die Loge ab Februar 2006 den Gewölbekeller des Stadtmuseums (Bertuchhaus, Liebknechtstraße) und bei öffentlichen Veranstaltungen den dortigen Vortragsraum nutzen konnte. Besondere festliche Aktivitäten finden bis heute traditionsgemäß im Wittumspalais oder im Goethehaus statt.

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Bertuchhaus: Stadtmuseum, Öffentlicher Gästeabend im Bertuchhaus

Seit dem Juli 2009 hat die Loge ein neues Domizil. Dank der Unterstützung der Klassik Stiftung Weimar und dem jetzigen Hauseigentümer, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, konnte die Loge dauerhaft in das "Kirms-Krackow-Haus" in der Jakobstraße 10 einziehen.

Der erste nicht provisorische Tempel seit 1936, die Nutzung des Vortragsraums und des Grünen Salons (Lesezimmer), einer kleinen Bibliothek sowie einer kleinen Küche sind Anlass zur Freude.

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Kirms-Krackow-Haus: Innenhof und Garten

Für die Zukunft gibt es noch viel zu tun. Eingefügt in die Planungen der Stiftung und zusammen mit andderen Nutzern soll das Kirms-Krackow-Haus als innerstädtisches Kleinod u.a. zur "Weimarer Denk-Stätte" als einem Ort interkultureller Begegnung entwickelt werden. Es soll ein Freiraum zum Nachdenken und miteinander Reden entstehen. Allein der Innenhof des wunderschönen Anwesens bietet Raum für vielfältige Aktivitäten.

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Kirms-Krackow-Haus: Eingang zum Grünen Salon und Gartenpavillon

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